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Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) musste das Homburgische große Not, Hungersnöte und Seuchen über sich ergehen lassen.Die Möglichkeiten der Landesverteidigung waren gering. Die schwache Besiedlung und die fehlende Wirtschaftkraft der Region waren hier entscheidende Defizite. Unter Führung der Landesherren und der adeligen Ritter wurden alle wehrhaften 18- bis 60-jährigen Männer herangezogen. Die Bewaffnung bestand aus bäuerlichen Geräten wie Sensen, Mistgabeln, Beilen usw. Unter diesen Umständen war an eine wirksame Verteidigung nicht zu denken. Eindringlinge wurden lediglich verfolgt bis „ob de Vuhr" (sprich: bis zur Landesgrenze).

Schutz bot nur die schlechte Erschließung abseits der alten Heerstraßen. Eine dieser Heerstraßen führte von Siegburg über Much, Marienberghausen, Wiehl, Eckenhagen, Drolshagen nach Westfalen, eine andere von Köln über Bensberg, Heiligenhaus, Drabenderhöhe, Denklingen, Freudenberg nach Siegen zum dortigen Erzgebiet (auch „Brüderstraße" genannt). 

So gehörten auch Truppendurchzüge in unserer Gegend zur Tagesordnung. Am 31. August 1622, so wurde berichtet, war auf dem Weg nach dem Herzogtum Westfalen kurfürstlich-kölnisches Kriegsvolk, das zur kaiserlichen Armee gehörte, im Kirchspiel Wiehl aufgetaucht. Doch anders als bei früheren Stippvisiten von Angehörigen „des gleichen Haufens" sollte es diesmal drei Tage dauern, bis der ungebetene Besuch wieder verschwand, zumal die unliebsamen Gäste sich diesmal nicht mit der unentgeltlichen Bereitstellung von Nachtlager, Trank und Speise sowie Futter für die mitgeführten Tiere abspeisen ließen.

Nachträglich erstellte Schadensbilanzen belegen, dass bei den Plünderungszügen viele Winkel des Kirchspiels intensivst durchforstet wurden. Unter anderem waren betroffen die Orte Dreisbach, Oberwiehl, der Bremig, Wiehl, Morkepütz, Bomig, der Alpe, der Koppelweide, Marienhagen, Halstenbach, Alferzhagen, und Unter- und Oberbantenberg. Besonders beliebt, aber nicht überall erhältlich war Geld. Jedoch auch Kleider, Schlafdecken, Hausgeräte, Zaumzeug oder Viktualien wurden nicht verschmäht. Die unehrenhaften Absichten der Belagerer führten naturgemäß teilweise zu heftiger Gegenwehr 

So wurde in der Bremig „Kerstgen S. (selig, verstorben) geschlagen vndt gestoßen, daß ehr Bettlägerich worden vnd des lagers gestorben";"Johann in der Alpe und Heitte in der Coppelweide werden gefangen, gebunden vnd gepeinigt", um sie zur Herausgabe ihrer Habseligkeiten zu nötigen.In einem Bericht von 1653 beklagten sich die Untertanen zu Marienhagen über den "langweiligen (d. h. langwierigen) Krieg und so oftmals erlittene Ausplünderungen", aufgrund deren sie völlig „verderbt und bis auf's Aeußerste gerade ausgemärgelt seien".

Ein Register, das der damalige Pastor Henricus Schnabel im Jahre 1654 aufstellte, belegt die damaligen schlimmen Zustände und listet die Pachtabgaben auf. So heißt es unter anderem in der Darstellung:„ Da ist zunächst der Wittumbshof, bei der Kirche im Dorf Marienhagen gelegen. Er ist durch die Kriege verwüstet und verderbt worden, so daß er lange Zeit wüst gelegen hat. Der Hof zu Merrkhaußen hat in den Kriegszeiten fast immer wüst gelegen. Er gibt nun wieder 8 Reichsthaler einschließlich 2 Maß Butter und zwei Hühner.

Die zu der Kirche gehörige Mühle ist in den Kriegszeiten zusammengefallen. Der Pfarrer hat sie wieder aufgebaut bzw. wieder aufbauen lassen. Sie erbringt jährlich nicht so viel, wie sie kostet. Es wird darum auch kein Ertrag angesetzt. Der Frohnenhof im Dorf Marienhagen hat in den Kriegszeiten das aufstehende Haus verloren. Der Pfarrer hat es wieder aufbauen lassen. Die Ländereien haben wüst gelegen und nur „ginsteren" getragen. Jetzt kommt jährlich ein: 10 Reichsthaler, 2 Maß Butter und 2 Hühner. Das Lindengut im Dorf Marienhagen, das viele Jahre wüst gelegen hat, gibt nunmehr 4 Reichsthaler, dazu jährlich 1 Huhn." 

Zum Schluss bemerkt der Pfarrer, dass alle genannten Pächter arme Leute sind. Sie haben mit Hacken und Roden, mit großer Mühe und Arbeit die Güter wieder „in baw" (in Bau) gebracht. In die Zeit des Dreißigjährigen Krieges fielen auch die Hexenverfolgungen in der Herrschaft Homburg um 1629 - 1631. Dieses Phänomen war nicht zuletzt die Folge ausgesprochener Dürre und Hungerjahre. Von Hexenverfolgungen wird jedoch lediglich im Kirchspiel Nümbrecht berichtet. Dort war der 14. September 1631 wohl der schwärzeste Tag in der Geschichte der homburgischen Hexenprozesse. Sechs Frauen und ein Mann wurden damals gleichzeitig wegen Zauberei hingerichtet. Über Hexenverfolgungen in den übrigen Kirchspielen ist nichts überliefert.