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johanniter16jhSeine geschichtliche Bedeutung hat Marienhagen unbestritten dem Johanniterorden zu verdanken, der dort jahrhundertelang eine Niederlassung besaß. Infolge der Kreuzzüge entstanden die drei geistlichen Ritterorden; zuerst im Jahre 1112 der Johanniterorden, dann 1119 der Tempelorden und etwas später (1190) der deutsche Ritterorden. Diese Vereinigungen von Rittern wollten durch die Ausbreitung des Christentums, durch Urbarmachung bisher unbebauter Heide- und Waldgebiete ein Gott wohlgefälliges Werk verrichten. Sie selbst nahmen sich vor, durch ein tugendhaftes Leben ein Vorbild für viele zu werden.

Die Grafen von Berg nahmen sich in besonderem Maße des Johanniterordens an. Die Grafen hatten ihr Schloss zu Altenberg in ein Kloster umgewandelt und erfuhren täglich den Segen, der von den Mönchen ausging. Da fassten sie den Entschluss, im Süden ihrer Grafschaft, am Rande ihres sich entwickelnden Amtes Windeck, ein Johanniterkloster zu errichten. Dort lag in der Nähe des alten Reichshofes Eckenhagen, der durch seine Erzbergwerke ein wertvolles Gebiet war und der ihnen im Jahre 1257 zugesprochen wurde, der Ort Marienhagen.

 Dieser besaß als Mittelpunkt der Landschaft schon eine gewisse Bedeutung und wurde zu ihrer Niederlassung gewählt. Graf Heinrich III. von Sayn, welcher der Grundherr zu Marienhagen war, gab gern die Erlaubnis dazu, da er den Ordensbestrebungen sehr gewogen war und selbst eine Reihe von Ordenshäusern gegründet hatte.

Johanniter im 16. Jh.

 Die Kölner Kirche schenkte lange, waldbedeckte Landstreifen an den Nordhängen der Bäche um Marienhagen. Man erhoffte sich von der Wirksamkeit des Ordens nicht nur eine Belebung der Wirtschaft und Kultur in dieser einsamen Gegend, sondern auch eine weitere Stärkung des Bergischen Einflusses am Rande des Amtes Windeck. Auch Graf Adolf von Wiehl, dessen kleine Herrschaft im Wiehltale lag und der dem Grafen Adolf von Berg sehr ergeben war, machte sich um die Niederlassung des Ordens in seiner Nachbarschaft verdient.

Die Tätigkeit des Ordens bestand anfangs in erster Linie im Ackerbau. In den benachbarten Höfen, die damals schon bestanden (u. a. Freckhausen, Berghausen, Alpe, Drespe), wurden nach und nach Mönche angesiedelt. Sie besaßen durch ihre Ausbildung im Mutterhause Burg besondere Kenntnisse in der Pflege des Kulturbodens und legten Musterwirtschaften an. Die Viehhaltung und der Weidebetrieb wurden zweckmäßig eingerichtet, was größeren Gewinn und damit mehr Wohlstand bedeutete. Viele neue Bauern konnten angesiedelt werden.

Grund und Boden war reichlich vorhanden und wurde den Bauern vom Ordenshause unentgeltlich überlassen. Aus den Stiftungen, die dem Johanniterorden durch reiche, adelige Hofbesitzer zuflossen, konnten nicht nur die Ordensbrüder unterhalten werden, auch den Ansiedlern flossen viele Gaben zu. Die Zahl der Höfe wuchs stetig an. Ein Teil des Urwaldes musste gerodet werden, um neues Kulturland zu schaffen. Was mit der Axt nicht zu bezwingen war, wurde durch Feuerbrände zerstört. So wurde im Laufe vieler Jahre im Ordensgebiet eine große Anzahl von Höfen errichtet.

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Der ständig wachsende Wohlstand der Ansiedler fand wiederum darin seine Auswirkung, dass diese Abgaben an das Mutterhaus leisten konnten. Dadurch wurden die Mittel zu neuen Unternehmungen gewonnen. Um den Ordenseingesessenen noch andere Verdienstmöglichkeiten zu schaffen, führten die Ordenscomthure ( = Pfarrer) die Weberei im Gebiet von Marienhagen ein. Die in Burg an der Wupper erfolgreich betriebene Herstellung wollener Decken (Scharzen) breitete sich über das Agger- und Wiehltalgebiet aus. Das Rohmaterial lieferten die zahlreichen Schafherden, die damals in unserer Heimat gehalten wurden.

Von Windeck aus fand der Bergbau Eingang in das Ordensland. In Mühlhausen, Freckhausen, Berghausen und Allenbach klopften die Hammerwerke und brachten den Wohlstand ins Land. Die Adelsherren bauten sich stolze Häuser und nahmen hohe Stellungen im Lande ein. Sie wurden Amtmänner und Schultheißen; andere Herrensöhne traten selbst als Mönche in den Maltheserorden, so hieß der Johanniterorden seit dem Jahre 1530, ein und übernahmen die geistige Führung des Volkes.

Als weiteren Erwerbszweig führten die Mönche die Fischzucht in ihrem Gebiet ein. Die noch heute bestehenden Fischteiche im Alpetal wurden angelegt.  Eine Mühle (die Alpermühle) diente ausschließlich den Zwecken der Ordens.

Alper Mühle