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Über das Aussehen des Ortes Marienhagen in mittelalterlicher Zeit können wir uns aus den wenigen Überlieferungen, die in den Kirchenakten enthalten sind, ein ungefähres Bild machen. Aus den Ortsbezeichnungen „Am Dorftor“, „An der Dorfmauer“, „Am Dorfzaun“ lässt sich erkennen, dass der Ort befestigt war. Bei Erdarbeiten am Hause der Familie Fuchs am Alter Mühlenweg unterhalb des jetzigen Friedhofes ist man vor wenigen Jahren noch auf alte Pflastersteine gestoßen, die auf Befestigungsanlagen aus der Vergangenheit schließen lassen könnten.

Außerhalb der Dorfmauer lag ein Graben, der mit Wasser gefüllt werden konnte. Zugbrücken an den Ausgängen, den damaligen Zufahrtsstraßen, schützten die Bürger in der Nacht und in gefährlichen Zeiten. Um die Mauer legte sich ein Kranz von undurchdringlichem Hochwald. Das waren die Kämpe, deren Namen bei den Eingesessenen lange Zeit später noch gebräuchlich waren. An den Talsenkungen lagen die Gärten und Wiesen der wohlhabenden Bürger. Die früheren Flurbezeichnungen „Im Blumengarten“, „Im Wiedenhofsgarten“, „In der Blumenwiese“ usw. lassen auf schöne Anlagen um den Ort schließen.

An den beiden Hauptstraßen des Dorfes lagen die Häuser der Bürger, der Mitglieder der Weberzunft und der Händler. In weiten Hoflagen standen die Gutshäuser mit ihren Wirtschaftsgebäuden und Knechtswohnungen: Der Fronhof, der Widumshof, der Wiedenhof und der Bitzenhof. Alle diese Freihöfe waren nach und nach in den Besitz des Ordens gegangen.

Der Ort Marienhagen wurde der Mittelpunkt der „zehn Aggerhöfe“, die sich in langer Reihe von Oberderschlag über Alpe und Sotterbach bis nach Biberstein erstreckten. Die Bedeutung des Kirchspiels nahm zu und die Amtleute von Windeck suchten immer neue Möglichkeiten, um den Bereich des Ordens zu entfalten. Der Bergbau wurde weiter ins Homburgische Gebiet hineingetragen und von bergischen Adeligen finanziert. Unter anderem entstanden so im Alpetal die Bergwerke zu Mühlhausen und Blybach.

Angrenzend an das Ordensgut Koppelweide dehnte sich ein prachtvoller Walddistrikt zwischen Marienhagen und dem Alpetal aus, der Enselskamp oder Eisenkamp. Dieser hatte anfangs den Herren von Biberstein gehört, war aber um 1560 an die Herren von Lützenrode, die bei den Herzögen von Berg großen Einfluss hatten, übergegangen. Im Enselskamp erbaute sich im Jahre 1580 der Amtmann von Windeck, Johann von Lützenrode, auf Homburger Gebiet einen Adelssitz und nannte sich Herr zu Forst und Enselskamp.

So legte sich allmählich um das Ordensland ein Kranz von Rittergütern und Freihöfen. Handel und Wandel belebten sich.